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  tohuwabohu.at: Tohuwabohu Staffel 4-5 (Folgen 13-26)
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Was ist „Tohuwabohu“? Und warum nicht?

Von 1990 bis 1998 entstanden 58 Folgen der TV-Serie „Tohuwabohu“. In der vorliegenden DVD-Box finden sich die zwölf Folgen der ersten drei Staffeln (1990-1993) sowie jene eigens zusammengestellte Episode, die 1992 vom ORF in den internationalen Wettbewerb um die „Goldene Rose“ von Montreux geschickt wurde.

Handlungsrahmen und Inhalte

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TohuwabohuDie Handlung der Serie „Tohuwabohu“ scheint zunächst nicht allzu kompliziert zu sein: Radio Tohuwabohu ist ein fiktiver kleiner, dilettantischer privater Fernsehsender, dessen Name dementsprechend Programm ist: Das zusammengesetzte Wort „Tohuwabohu“ stammt aus dem Hebräischen und bedeutet ursprünglich „wüst und leer“ – in diesem Sinne findet es sich im ersten Satz der Bibel. Heute meint Tohuwabohu umgangssprachlich eine große, wenn nicht sogar die größtmögliche Unordnung. Der Programmchef von Radio Tohuwabohu (Lukas Resetarits) und sein zu Beginn kleines Mitarbeiterteam (Beatrice Frey, Jazz Gitti, Kurt Weinzierl) agieren von einer Holzbaracke aus, später – nachdem der ORF, die Post und die Polizei den Standort des Piratensenders aufgespürt haben – in einem Wohnwagen, der die ständige Flucht ermöglicht. Aufgrund maroder Finanzen ist Radio Tohuwabohu auf willige Geldgeber angewiesen. Und tatsächlich stellt sich ein potenzieller Financier (Franz Suhrada) ein, der allerdings erst von der Qualität des Programms überzeugt werden will, was jedoch der Quadratur des Kreises entspräche. Dies ist der Auftakt einer irrwitzigen Abfolge von „Programmausschnitten“, die zunächst demFinancier,später auch einem Gläubigervertreter (Günter Tolar) vorgeführt werden.

TohuwabohuFreilich wird diese Rahmenhandlung permanent durch Absurditäten durchbrochen. Der Financier und der Gläubiger fungieren z.B. selbst in den Programmen von Tohuwabohu als Schauspieler, Sänger und Moderatoren. Darüber hinaus treten in weiterer Folge immer neue Gaststars auf, die vom Programmchef bzw. von der Programmchefin (Jazz Gitti), die ihren erfolglosen Bruder schließlich ablöst, unter falschen Versprechungen zum Sender gelockt werden. Nach jeweiligen Probeaufnahmen werden die Gäste um ihr Honorar geprellt und wieder vor die Tür gesetzt, womit sich Tohuwabohu billige bzw. kostenlose Sendungen ermöglichen möchte. Doch auch dieser Plan geht zumeist nicht auf, immer wieder erweisen sich die Gäste als schlauer.



Der eigentliche Inhalt abseits dieser Handlungsklammer besteht natürlich in den vorgeblichen Programmausschnitten: Hier gibt es unzählige Sketche, die als Krimi- oder Arztserie, als Nachrichten- oder Sportsendung, als TV-Quiz oder Reality-Format, als Koch-Show oder Partnervermittlungsprogramm getarnt sind; es werden klassische Märchen in diversen Varianten neu interpretiert, es werden Witze von fragwürdiger Qualität erzählt und ebensolche Gedichte rezitiert; und es gibt vor allem viele bizarre Musiknummern, die einen Gutteil des Programmes von Radio Tohuwabohu ausmachen.

Satire als kritische Realitätsbetrachtung

Unterm Strich ist „Tohuwabohu“ genau das, als was es Autor und Regisseur Helmut Zenker (1949-2003) selbst im Untertitel bezeichnet hat: ein TV-Chaotikum. Oberflächlich hat es den Anschein, als wäre es erster Vorsatz von „Tohuwabohu“, das Publikum durch Skurrilitäten, rasante Schnitte, rasche Szenenfolgen, ein gehöriges Maß an Unlogik, Verfremdung und Auslassung sowie durch gezielt geweckte und immer wieder enttäuschte Erwartungen maximal zu verwirren. Bei genauerem Hinsehen und Reflektieren ist „Tohuwabohu“ jedoch eine recht treffsichere Satire, die – freilich mittels des Stilelements der wenig maßvollen Übertreibung – die zum Teil bittere und allzu oft unfreiwillig komische Realität des Mediums Fernsehen parodiert.

Dies betrifft einerseits die kommerziellen Privatsender, denen bisweilen tatsächlich kaum etwas zu billig, zu peinlich, zu übertrieben oder zu dumm zu sein scheint. Andererseits wird mit einer gewissen Selbstironie auch der öffentlich-rechtliche ORF, in dessen Auftrag „Tohuwabohu“ ja produziert wurde, mit durch den Kakao gezogen. Und nicht zuletzt nimmt sich die Sendung „Tohuwabohu“ selbst nicht allzu ernst, wenn ganz bewusst immer wieder auf die eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten hingewiesen wird oder diese offen zur Schau gestellt werden.

Bemerkenswert ist auch, dass „Tohuwabohu“ bereits zu Beginn der 1990er Jahre Tendenzen sichtbar gemacht hat, die sich erst in den folgenden knapp 20 Jahren in der TV-Landschaft voll ausprägen sollten. Es ist durchaus ein gewisses ernsthaftes Maß an Kultur-, Medien- und Gesellschaftskritik herauszulesen, wenn in „Tohuwabohu“ auf satirische Weise problematische Entwicklungen der Unterhaltungsindustrie antizipiert werden, die uns heute tagtäglich mittels Pseudo-Reality-TV, Gerichtssendungen, Castingwettbewerben, Votingshows und inszenierten Promiaufläufen serviert werden. Insofern bestand ein keineswegs irrelevanter Ansatz von „Tohuwabohu“ darin, mittels eigener fragwürdiger Qualität auf den allgemeinen Qualitätsverlust im Medium Fernsehen hinzuweisen, der wiederum nur ein bloß wenig verzerrtes Spiegelbild realer menschlicher Beziehungen und gesellschaftlicher Verhältnisse wiedergibt, wodurch diese – im ständig erweiterten Kreislauf – weiter ins Entfremdete gedrängt werden.

Kontinuitäten in Zenkers TV-Schaffen


Der kritische Anspruch, der sich hinter Witz und Anarchie verbirgt, ist lediglich eine Kontinuität in Helmut Zenkers Schaffen im Bereich Film und Fernsehen – dieser durchzieht bereits die legendäre von Zenker erfundene TV-Serie „Kottan ermittelt“, für deren 19 Folgen er von 1976 bis 1983 die Drehbücher verfasste. Überhaupt hat „Tohuwabohu“ mehr mit „Kottan“ gemein, als man vermuten möchte. Dies betrifft zunächst die personelle Ebene: In der ersten Staffel von „Tohuwabohu“ (Folge 1-3) agieren fünf Schauspieler und Schauspielerinnen, von denen vier bereits in der „Kottan“-Serie dabei waren. In den Folgen der Staffeln 2 und 3 kommen aus dem „Kottan“-Team noch C. A. Tichy – Kottans tollpatschiger Assistent Schrammel –, Chris Lohner – die allzu interaktive Fernsehsprecherin – und Hans Kraemmer hinzu. Auch inhaltlich gibt es Überschneidungen bzw. Fortführungen: Offensichtlich waren einige der Krimi-Sketches aus „Tohuwabohu“ von Zenker für weitere, nie gedrehte „Kottan“-Episoden vorgesehen; und auch in „Tohuwabohu“ darf sich Kurt Weinzierl (Polizeipräsident Heribert Pilch) wiederholt erfolglos einem Kaffeeautomaten nähern, womit einer der bekanntesten Running Gags aus „Kottan ermittelt“ wieder aufgenommen wird. Das markanteste Merkmal aber, das aus „Kottan ermittelt“ übernommen und in „Tohuwabohu“ fortgeführt und sogar ausgebaut wird, sind die Musiknummern: Radio Tohuwabohu leistet sich eine eigene Band (später übrigens auch einen echten A Capella-Chor), als „Sänger“ und „Sängerinnen“ dürfen – oder müssen – alle Gäste sowie die Standardbesetzung immer wieder auf die Bühne und zum Playback mehr oder minder bekannter Titel ihr Bestes geben, was ihnen doch einigermaßen verunmöglicht wird. Denn die Playback-Auftritte sind nicht nur ein wichtiger roter Faden von „Tohuwabohu“, sondern auch Kristallisationspunkte des Absurden, wofür Kostüme, Choreografie und Zenkers Musikauswahl sorgen.

Das Stichwort „Playback“ verweist übrigens auf eine zweite Wurzel (neben „Kottan“) von „Tohuwabohu“. Unter diesem Titel, „Playback“, schickte Zenker, der damit seine erste Regiearbeit ablieferte, im Jahr 1989 Lukas Resetarits durch ein Ein-Personen-Stück, das ebenfalls für den ORF produziert wurde. „Playback“ kann als unmittelbarer Vorläufer von „Tohuwabohu“ und als eine Art Zwischenetappe in der Entwicklung der „Tohuwabohu“- Idee angesehen werden. Die Gemeinsamkeiten mit Teilen der frühen „Tohuwabohu“-

Folgen sind evident und man kann wohl davon ausgehen, dass es „Playback“ war, wodurch „Tohuwabohu“ ein Jahr später erst ermöglicht wurde.

Die Erfolgsstory

Dass „Tohuwabohu“ über neun Jahre hinweg eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte und durchaus ein Meilenstein der ORF-Unterhaltung werden würde, war damals, 1990, in diesem Ausmaß wohl nicht abzusehen. Mit maßvollem Budget, eingegrenzter Location und lediglich fünf Schauspielern gestartet, entwickelte sich „Tohuwabohu“ bald zu einer Kultsendung des ORF, die diesem regelmäßig Zuschauerzahlen über der Millionengrenze bescherte. Mit diesem Erfolg wurden auch die Möglichkeiten erweitert. Nicht zuletzt betraf dies das schauspielerische Personal. Allein in den hier vorliegenden 13 Folgen tritt eine ebenso illustre wie prominente Schar an Gästen auf, darunter Bühnen- und Fernsehlegenden wie Cissy Kraner, Fritz Muliar und Ossy Kolmann, Sportstars wie Hans Krankl, Gerhard Berger, Karl Schranz und Hans Orsolics, bekannte Musiker und Sänger wie Sigi Maron, Simone, Thomas Forstner und Tony Wegas, Ex-„Miss World“ Ulla Weigerstorfer, beliebte ORF-Größen wie Heinz Prüller, Nora Frey, Marie-Christine Giuliani und Andrea Honer sowie Multitalente wie Dolores Schmidinger, Alfons Haider und Karl Pfeifer. In den weiteren 45 „Tohuwabohu“- Folgen wurde diese Liste noch erheblich erweitert.

„Tohuwabohu“ wurde – auch dies ist ein erwähnenswerter, wenngleich nicht überzubewertender Teil der Erfolgsstory – mit mehreren Preisen ausgezeichnet: Wie eingangs erwähnt, nahm die Sendung 1992 beim Festival um die „Goldene Rose“ („Rose d’Or“) in Montreux (Schweiz) teil, dem weltweit größten Vergleichswettbewerb der Fernsehunterhaltung. Die Goldene Rose wurde zwar nicht gewonnen, inoffiziell schaute in der Hauptkategorie jedoch ein ehrenvoller zweiter Platz unter dutzenden Teilnehmern heraus. 1993 erhielt Helmut Zenker die „Goldene Romy“, mit der „Tohuwabohu“ als „beste Programmidee“ prämiert wurde. Im selben Jahr wurde „Tohuwabohu“ beim internationalen „Plattensee TV-Festival“ in Ungarn als beste Comedy-Reihe sowie für die beste Regie ausgezeichnet, 1994 erhielt „Tohuwabohu“ den „New York Video Award“.

Bedeutung und Nachwirkung

Möchte man abschließend ein Resümee zur Bedeutung von „Tohuwabohu“ finden, so wären mehrere Facetten anzuführen. Zweifellos hat „Tohuwabohu“ in den frühen 1990er Jahren neue Maßstäbe der Fernsehunterhaltung gesetzt. Der folgende „Comedy-Boom“ in der deutschsprachigen TV-Landschaft war eine Folgerichtigkeit.Viele Programmverantwortliche, Autoren, Regisseure und Comedians nahmen sich „Tohuwabohu“ bewusst oder unbewusst zum Vorbild, was manchmal erfolgreiche, originelle und wertvolle neue Formate hervorbrachte, manchmal jedoch auch in einer Verflachung versank. Die Salonfähigkeit des hemmungslos Skurrilen wurde nicht zuletzt im ORF, aber beispielsweise auch in der Musikbranche weiter kultiviert, die Bild- und Wortflut schneller Schnitte wurde mancherorts zum Dogma erhoben. Das teilweise Brachiale und Anarchische des TV-Tohuwabohus als konsequente Antwort auf eine ebensolche und darüber hinaus orientierungsschwache Welt markiert diese als ganz reales Tohuwabohu – eine Sichtweise und Grundhaltung, die inzwischen fester Bestandteil szeneverbundener und jugendkultureller Lebenseinstellung ist. Undwenn die „Tohuwabohu“-Reihe wirklich einen nachhaltigen Einfluss auf gesellschaftliche Zusammenhänge genommen hat, so spiegelt sich dies auch in ihrem Beitrag zur Entwicklung der Alltagssprache der Menschen wider: Einige Textzeilen, Bemerkungen, Dialogteile, Definitionen und sogar lediglich eingestreute Wortfetzen, Zwischenrufe und Gesten aus „Tohuwabohu“ sind heute in der österreichischen und süddeutschen Sprache zu weit verbreiteten Redewendungen, Sprichwörtern, Parolen und „Standardschmähs“ geworden, wobei ihre Herkunft freilich kontinuierlich in Vergessenheit gerät. Werden jedoch Werkteile eines Autors und einer TV-Serie selbstverständliches gesellschaftliches Allgemeingut, so wurde ganz offensichtlich und definitiv alles richtig gemacht. In Bezug auf Helmut Zenker und „Tohuwabohu“ kann dies mit Sicherheit gesagt werden.